Grimming Ost - West Überschreitung

Als abgewanderter Ennstaler muss man im Ennstal leider die Frage stelle, wer war schon am Hohen Grimming?
- das sind wenige (Ennstaler)

Wer hat schon die Grimming Scharte überschritten, ich sag mal:
- das sind allgemein wenige

Und wer hat eine Ost-West Überschreitung gemacht?
Laut einer alten Universumfolge: “Eines der letzten Abenteuer in den Alpen“.

Am Donnerstag 23. Juli 2015 hab ich früh meine Sachen gepackt. Das Wetter war nicht ideal, es kommt ein Umschwung, Erinnerungen an meine Schartenspitz – Scharte – Hoher Grimming Überschreitung werden wach. Egal, schauen wir wie es ist… (wie damals).

Weil ich gerne alleine gehe, und weil auf die Schnelle niemand Zeit und Lust hatte, wieder mal allein. Abmarsch um 3:00 Uhr, ganz gemütlich von Niederstuttern via Grimming Hütte zum Bründl über der ersten Leiter. Auf der Gabelung die Entscheidung: Muldereck oder Süd-Ost? Es wird hell, Wolkenfetzen ziehen rum, Wetterumschwund, deshalb die schönere Variante Süd-Ost rauf, wenns Wetter nicht passt gemütlich übers Muldereck runter.

Der Aufstieg ist wunderbar, so schön ruhig, die Gämsen lassen sich nicht stören. 100hm unter dem Gipfel weht es die ersten Wolkenfetzen in den Gipfel rein. Bis ich um 7:20 am Gipfel bin zieht es gerade voll zu. Nasuper, 11 Grad und sehr windig in den Wolken, Jacke und Haube raus, Frühstück.
Beratschlagung mit meiner Wetterstation "Martin" via Whatsapp, was macht das Wetter, am Nachmittag soll es regnen… nach 1h am Gipfel beginn ich den Abstieg über das Muldereck, da bin ich wenigstens zum späten Frühstück wieder daheim. Kaum bin ich am Muldereck drausen, kommt wieder der Wind und der Gipfel ist wieder frei, Sicht bis zum Dachstein. Es treiben einzelne Wolken rum, was machen? OK, umdrehen, zurück zum Gipfel, Ost-West, heute machen wir ein Hackerl auf der Löffelliste!

Den Weg vom Schartenspitz zum Hohen Grimming kenne ich, von West nach Ost.
Aber Ost-West sieht anders aus, die Fels Schichtung ist so das auf der Ost-Seite immer die Grasnarbe ist und auf der West-Seite die Felsabbrüche, die Wegfindung ist alles andere wie einfach. Vom Normalweg im Schartenkar einer Grasnarbe folgend in Richtung „steinerner Mann“ raus auf die Grimmingscharte, den Gratzacken auf und abkletternd, eher nördlich orientiert, geht es über die luftige Scharte.

Und Ja, FreeSolo bedeutet Ruhe und Konzentration, aber auch 0 Fehler Toleranz.

Nach der überraschend mühsamen Scharte ist der Aufstieg auf den Schartenspitz selbst einfach. Vor allem der Gipfelaufbau der im Abstieg mühsam zu klettern ist, geht aufwärts einfach. Am Schartenspitz über den Wolkenfetzen kurzer Eintrag ins Gipfelbuch und Abstieg südlich in die Scharte zum Heil. Eine verbleichte rote Spraydosen Markierung weist den Weg vom Schartenspitz auf die Heilplatte.
Vom Heil mit herrlicher Aussicht auf die kleine Jausengrube geht es zuerst nördlich und dort einem Grat kletternd im Aufstieg auf den Stierkarkogel, von diesem im Abstieg in die Grasscharte und Aufstieg auf den kleinen Grimming. Der Stierkarkogel hat mir von Osten vom Heil her Sorgen gemacht, es gibt sicher auch am direkten Grat zum Ennstal einen Aufstieg, nach kurzer Erkundung erschien mir aber der Aufstieg von Norden wesentlich einfacher.
Am kleinen Grimming gibt es gemütlich eine Jause im Gras mit Aussicht.

Der Abstieg vom kleinen Grimming über die Elferscharte ist nach dem Gratklettern in der Scharte und am Heil echt erholsam. Von der Steinfeldscharte aus muss man sich entscheiden, den Zwölfer eher südlich oder nördlich jeweils einer Rinne folgend aufwärts zum Gipfel, ich hab die nördliche Variante genommen. Wirklich eindrucksvoll sind die Abbrüche Richtung Bad Mitterndorf, mehrere Hundert Meter senkrechte Wände in einen Kessel. Ist mir bisher gar nicht aufgefallen das auch die „Hinterberger“ einen schöne Grimming Seite haben ;)
Am Zwölfer wie immer ein Gipfelfoto, was trinken, welches zur Neige geht und weiter geht's.

Der Weg vom Zwölfer in die Mandelscharte war eine Überraschung, dachte die schwierige ausgesetzte Kletterei liegt hinter mir. Sowohl am Grat die Nordseite, als auch die Südseite waren wirklich anspruchsvoll. Entweder ich hab mich da voll verstiegen oder das Stück hat es wirklich noch einmal in sich.

Von der Mandelscharte den Gratzacken folgend bis zum Krautschwellereck ist nach dem gegangenen nur mehr ein Pflichtübung am Weg zur St. Martiner Scharte. Vor allem der Abstieg in die Scharte ist wunderbar, man hat die Überschreitung eigentlich hinter sich, das Wetter hat gehalten, ohne Regen und Nebel durchgekommen. Es kann nicht mehr viel schiefgehen.

Denkste, das wirklich mühsame sind die 1300hm Abstieg die vor einem liegen. Der Weg von der St. Martiner Scharte, die Rinne runter, auch Langer Anger genannt, ist zwar markiert aber mangels Steig, 45 Grad Steilheit, 20 – 40cm hohem „Gras“ in den Schroffen, echt supermühsam. Andere Begehungen beschreiben den Abstieg als „Masochismus“ das unterschreibe ich sofort. Mangels Begehungen verlieren sich die Markierungen im unteren Teil in den Latschen und Lawinenkegel.

Dem Verdursten schon nahe ist die Rettung der Brunnen kurz unterhalb des Jagdhauses. Sorry den hab ich glaube ich ausgetrunken ;) Leider konnte ich vom Jagdhaus aus keinen Steig mehr finden und bin der Forststraße bis St. Martin gefolgt, schon für die Zehen (nach dem langen Anger) ist aber ein ordentlicher Hatscher.

Gesamt gesehen, denke ich, ist eine West – Ost Begehung einfacher (als eine Ost – West) vor allem wegen dem „Langen Anger“ der mit frischer Kraft sicher einfacher ist, als nach einem langen Tag über die gesamte Kette als Abschluss. Weiters ist die Schichtung der Felsen für West – Ost günstiger. Westseite rauf klettern und Ostseite auf der Gras Narbe absteigen ist einfacher als umgekehrt (gilt vor allem für Zwölfer und Grimmingscharte).
Die Konditionellen Anforderungen, vor allem wenn man es in einem Tag ohne Biwak machen will sollte man nicht zu unterschätzen. Ich hab in 14h insgesamt 2275hm im Aufstieg gemacht, selbiges (bis auf wenige Meter da St. Martin höher liegt als Niederstuttern) auch wieder im Abstieg. Insgesamt ca 13700kcal verbrannt und über 13km Wegstrecke zurückgelegt.
Mit hatte ich, neben ein paar kleinen Stärkungen, 3L Wasser, was an dem Tag sicher zu wenig war. Zur Erinnerung, am gesamten Grimming ist nicht wirklich eine Wasserstelle zu finden. Nachdem ich schon einiges am Grimming erlebt habe, kann ich jedem nur neben entsprechender Überjacke + Hose einen Biwak Sack empfehlen. Der Grimming ist kein Berg wo man einfach jederzeit wo einfach absteigen kann. Im Worst Case sollte man für einen Wetterumschwung in wenigen Minuten gerüstet sein.
Hoffe ich hab mit der Beschreibung ein paar angeregt es mir gleich zu tun um eines der letzten Abenteuer in den Alpen anzugehen ;)

Weiter Bilder gibts wie immer unter "unsere Bilder"